Nein zur Präimplantationsdiagnostik

aus dem Wohler Anzeiger vom 18.05.2016

Die Schweizer Bischöfe haben sich wie folgt geäussert: «Als Folge der 2015 erfolgten Revision der Bundesverfassung kommt es am kommenden 5. Juni zu einer eidgenössischen Volksabstimmung über das revidierte Fortpflanzungsmedizingesetz. Mit den neuen Gesetzesbestimmungen sollen die Bedingungen für die Zulässigkeit der Präimplantationsdiagnostik (PID) geregelt werden. Die Bischöfe sind der Überzeugung, dass der Inhalt dieser Gesetzesvorlage der unverletzlichen Würde des Menschen nicht gerecht wird. Sie lehnen daher diese Änderung des Fortpflanzungsmedizingesetzes ab.» Ich schliesse mich dieser Meinung an. Es geht um Embryonen, also um Menschen in ihrer ersten Lebensphase. Nicht nur Paare, die Träger einer schweren vererbbaren Krankheit sind, sondern alle Paare, welche eine künstliche Befruchtung vornehmen, sollen die «erzeugten Embryonen» auf «bestimmte genetische Eigenschaften» untersuchen lassen dürfen; danach wird «derjenige Embryo ausgewählt, der eine gute Entwicklungsfähigkeit erwarten lässt» (Zitate Abstimmungsbüchlein). Diese allgemeine Zulassung wird in der bisherigen Diskussion kaum erwähnt. Menschen können also bereits in ihrem Anfangsstadium beurteilt werden: Bist du für mich und für uns «problemlos»?
Das neue Gesetz würde bedeuten, eine Selektion zuzulassen, bei der man sich das Recht anmasst, zu entscheiden, wer es verdient zu leben und wer nicht. Wie hätten unsere Mütter und unsere Väter über uns selber geurteilt, wenn sie in dieser Situation gewesen wären? Ich kenne viele Menschen mit Behinderungen – geistigen, körperlichen oder beidem. Diese Menschen sind nicht mehr oder weniger glücklich als andere. Mehr noch: Sie sind eine Bereicherung für die Welt. Sie schenken Worte, Werte und Einsichten, die nur sie uns schenken können. Ich bin dankbar, dass es sie gibt. Das neue Gesetz ist für mich mit dem christlichen Menschenbild unvereinbar.
Ich stimme Nein.

Andres Lienhard, ic. theol., Co-Dekanatsleiter Dekanat Freiamt