«Was passiert mit den nicht benötigten Embryonen?»

aus dem Landboten vom 27.05.2016

Zur Änderung des Fortpflanzungsmedizingesetzes
Abstimmung am 5.Juni
In unserer Ferienabwesenheit hat eine Amsel in einem Busch gleich neben unserer Sitzplatztür ihr Nest gebaut und vier Eier hineingelegt. Aus den Ferien zurückgekehrt, haben wir durch unsere Anwesenheit die Amselmutter aufgeschreckt und so gestört, dass sie das Nest und ihre Eier aufgegeben hat. Mir haben die jungen Vögel leidgetan, weil ihnen die Chance, als Vogel zu leben, genommen wurde, schon bevor sie aus dem Ei schlüpfen konnten.
Am 5. Juni werden wir in der Schweiz darüber abstimmen, ob die Präimplantationsdiagnostik (= genetische Untersuchung eines ausserhalb des Körpers erzeugten Embryos) in unserem Land angewendet werden darf oder nicht. Dieses Verfahren dürfte nur bei Paaren angewendet werden, die auf natürlichem Weg keine Kinder zeugen können, oder bei solchen, die eine Erbkrankheit in sich tragen.
Würde die Präimplantationsdiagnostik angenommen, dann dürften pro Fortpflanzungszyklus bis zu zwölf Embryonen entwickelt und untersucht werden. Dann würde der gesündeste und geeignetste Embryo ausgewählt und der Mutter zum Austragen eingepflanzt.
Was würde mit den anderen, «nicht benötigten» Embryonen passieren, die ebenfalls alle Voraussetzungen in sich tragen, zu einem Menschen heranzureifen? Sie dürften noch einige Jahre zur späteren Verwendung aufbewahrt werden, bevor sie von den Eltern aufgegeben würden, so wie «unsere» Amsel ihre Eier aufgegeben hat.
Jürg Kassu, Weisslingen