Gegen schrankenlose Fortpflanzungsmedizin

– Aargauer Zeitung, 30.05.2016

CVP-Bundesrat Arnold Koller setzte sich mit der neuen Bundesverfassung und dem darauf folgenden Fortpflanzungsmedizingesetz erfolgreich für eine menschenwürdige, auch Grenzen setzende Fortpflanzungsmedizin ein. In seinem Buch «Aus der Werkstatt eines Bundesrates» schreibt er: «Oft ging es wie beim Fortpflanzungsmedizingesetz um das sorgfältige Abwägen höchster menschlicher
Werte wie der Menschenwürde, der persönlichen Freiheit oder des Schutzes der Familie.» Von dieser Haltung weicht das zur Abstimmung stehende Gesetz entscheidend ab. Mit ihm stünde die Präimplantationsdiagnostik allen Paaren offen, die eine künstliche Befruchtung beanspruchen. Das Gesetz erlaubt die Selektion nach schweren Erbkrankheiten und «chromosomalen Eigenschaften, die die Entwicklungsfähigkeit des zu zeugenden Embryos beeinträchtigen können». Darunter fällt auch die Trisomie 21 (Down-Syndrom). Pro Behandlungszyklus dürften 12 Embryos hergestellt werden. Überzählige würden tiefgefroren und müssten später vernichtet werden. Der körperlich behinderte CVP-Nationalrat Christian Lohr (TG) bringt es auf den Punkt: «Jeder Mensch ist individuell und darum einzigartig. Des FMedG setzt für eine humane Gesellschaft falsche Signale.» Ein Nein führt zu einer restriktiven Lösung.

HEINER STUDER,
ALT NATIONALRAT EVP, WETTINGEN